ich streife wie ein hund durch die stadt
lecke das silber von den kiefern
sauge den mond in mir hinein
trage die erinnerungen wie eine beute im maul herum
schnüffle an den kalten arschen der toten
wenn die weissen witwen kommen halte ich die wacht
tagsüber bettle ich um almosen
kämme mir das zersauste haar
laufe ‘rein und ‘raus überall wo es nach kaviarkadaver riecht
setze mich mit den jammerkatzen auseinander
halte mich fern von gewissensbissen
damit ich mehrere alkoholische feinheiten ‘runterhaue
keine sorgen die mich plagen
ausser wie ich die früchte des landes zu verdauen vermag
wie ich so manch feine dirne pflücken kann
aber nachts öffnet sich das schwarze loch
der tausendundeins pestilenzen und plagen
wie ein hund streife ich durch die stadt
sauge das silber aus den leichen
lecke den mond von den hohläugigen
schleppe die erinnerungen zu meinem versteck
jage alle die weissen witwen weg
dass ich mich nicht erschreck’,
denn ich bewache ja diesen dreck
ich bin erst hierher gekommen
nachdem ich auschwitz gesehen hatte
und etwas mit nacht und nebel gemacht
früher gab’s noch die silberminen, jetzt nur die gruft
sie rauschen wie wasser
das mein fell putzt und meine haare kämmt
aber nicht so wie das saubere blut
das in dicken strähnen rennt wohin ich mich begebe
denn ich bin nur ein armer hund in dieser silberstadt
und nachts halte ich die wacht
trage die toten wie eine beute mit mir herum
spucke den mond aus, streichle das silber
ficke die weissen witwen
wälze mich in meinen fiesen erinnerungen
tagsüber verkehre ich mit gesinnungsfreunden
wir stöhnen alle dasselbe lied
wir haben ja nichts falsches gemacht
denn so ist halt der krieg
wir irren durch die leeren strassen
benehmen uns wie bestien in unserer schönen silberstadt
denn die minen sind wie gruben
und egal wo es etwas zu essen gibt
wir verzerren es bis nichts mehr übrig ist
denn wir halten die wacht
über die guten und die bösen
aber nur die stärksten werden gewinnen
wir saugen das silber aus den kiefern der toten
wir tragen ihre köpfe wie eine beute herum
wir lecken das blut von den türpfosten
und verkünden die todesnachricht wie stumm
dabei habe ich nichts falsches gemacht
ich bin nur ein armer hund, wie konnte ich nun?
zugeschaut habe ich bis zum geht nicht mehr
bis die augen hervorquollen und der magen sich drehte
dann habe ich zu den bergen weggeschaut
sie sind die richtigen wächter der silberstadt
sie sind die richtigen schuldigen
denn sie haben ihre augen im nacken
die landschaft hat doch immer schuld
die bäume, die felsen und die blumen
wie sie so blöde vor sich hinstarren
mich trifft keine einzige schuld
denn ich bin nur ein armer hund
ich streife durch die stadt
meine pfoten wie mahlsteine mit mir ‘rumschleppend
erschöpft lecke ich die silbernen kiefern
lasse den mond auf meinem fell tanzen
erblicke ihn in sein uraltes gesicht
ich streife durch die gegend
die immer mehr erinnerung ist
das fell juckt, ich mache keine pfote mehr krumm
ich lecke das silber aus allen rohren
ich sauge den mond in meiner brust hinein
es steigen die weissen witwen aus den silbernen bächen empor
und überall rauscht es nur: auch du, auch du und du und du und du……
